45cbm: Riccardo Paratore
Private Means
Künstler*in
- Riccardo Paratore
Kurator*in
- Hendrik Bündge
Für seine Ausstellung Private Means testete Riccardo Paratore die Regeln der Kunsthalle. Er machte es anders als andere Künstler. Er schickte keine Rechnungen für Bilder oder Skulpturen. Er bekam Geld von der Kunsthalle. Das Geld war für 800 Euro. Er wusste nicht, was er kaufen würde. Mit dem Geld kaufte er in Paris neue Schuhe. Die Schuhe kosten 695 Euro. Die Schuhe sind von Saint Laurent. Er kaufte auch ein Parfüm. Das Parfüm heißt „Opium“. Es war von Saint Laurent. Er spritzte Farbe auf die Schuhe. Die Schuhe waren der einzige Gegenstand in der Ausstellung. Es gab auch Zettel. Auf den Zetteln stand etwas über die Ausstellung. Es stand auch etwas über den Künstler. Es stand ein Zitat von Friedrich Theodor Vischer. Er schrieb 1879 einen Text. Der Text heißt „Mode und Cynismus“.
Paratore erklärte den Begriff „Private Means“. Das ist Englisch. Auf Deutsch heißt es „Privatmittel“. Das Wort gibt es im Französischen nicht. Er sagte: Der soziale Hintergrund eines Künstlers ist oft schwer zu sehen. Man kann ihn nur durch sein Leben verstehen. Er sagte: Man kann den Künstler und seine Arbeit genauer anschauen. Dann sieht man mehr.
Interessant ist: Wie man Kunst beurteilt. Und wie man Kleidung beurteilt. Die Schuhe waren neu. Sie waren ungetragen. Mit Farbe wurden sie alt aussehen. Aber sie sahen aus wie Schuhe von Künstlern. Am Eröffnungsabend war etwas Lustiges. Ein Lions-Club mietete das Café der Kunsthalle. Die Mitglieder des Clubs waren dort. Die Besucher der Ausstellung waren auch dort. Die Mitglieder schauten die Besucher an. Sie sahen, dass sie anders gekleidet waren. Sie sagten: Geht bitte. Wir wollen allein sein.
Die Zettel in der Ausstellung rochen nach Parfüm. Das Parfüm war von Saint Laurent. Die Schuhe und das Parfüm zeigen etwas. Die großen Modehäuser verdienen viel Geld mit Parfüm. Viele können sich die Kleidung nicht leisten. Aber sie können das Parfüm kaufen. Die Schuhe mit Farbe sind wie ein Bild. Der Künstler ist durch die Schuhe anwesend. Er kritisierte die Regeln der Kunsthalle. So etwas ist selten. Die Türen der Ausstellung waren nur halb offen. Es gab ein Zitat von Friedrich Theodor Vischer. Er sagte: Wenn man die Tür nur ein bisschen öffnet, kommt viel Unordnung herein. Wenn man die Tür ganz schließt, ist es langweilig. Die Mitglieder des Lions-Clubs blieben unter sich. Sie gingen nicht in die Ausstellung.
Hendrik Bündge
Private Mittel
Das ist ein Wort für Geld. Das Geld kommt nicht von Arbeit. Es kommt auch nicht vom Staat. In Deutschland sagt man dazu „Privatier“. Das Wort klingt französisch. Aber in Frankreich gibt es das Wort nicht. Es ist ein deutsches Wort.
Das ist wichtig. Denn der Hintergrund eines Künstlers beeinflusst seine Kunst. Das sieht man oft nicht gleich. Man muss genau hinschauen. Dann sieht man kleine Unterschiede.
Heutige Unterschiede:
Gruppe A: Nach der Oberschicht „Punk“ Spuren von Arbeit. Zum Beispiel Schmutz oder Farbe.
Gruppe B: Nach der Arbeiterklasse „Snob“ Schöne Sachen. Die werden mit Respekt behandelt.
Oft schaut man zuerst auf die Schuhe. Viele meiner Freunde aus der Oberschicht tragen einfache Schuhe.
Die Wege von Gruppe A und B kreuzen sich.
Zwei Produkte von einem Hersteller. Für verschiedene Gruppen.
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„Man soll die Tür nicht einen Spalt öffnen. Sonst kommt Grobheit herein. Die Tür muss zu sein. Sonst wird es langweilig. Dann ist die Luft stickig.“
- Mode und Zynismus, 1879, Friedrich Theodor Vischer
Eröffnung: Freitag, den 29. Januar 2016, 19 Uhr
Begrüßung: Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Baden-Baden
Einführung: Hendrik Bündge, Kurator der Kunsthalle Baden-Baden


