45cbm: Sarah Ancelle Schönfeld

Alien Linguistic Lab

17.03.–25.04.2018
Handschriftliches chinesisches Zeichen wird erkannt und ins Englische übersetzt.
Verschnörkelte Linien und Bögen auf weißem Hintergrund verteilt.
Eine Blockade aus verschlungenem Draht ist zu sehen.
Dünne Drahtstücke in verschiedenen Formen, aufgehängt auf weißem Hintergrund.
Drei Personen berühren die weiße Wand in einem Galerieraum.
Schwarze Linien auf Wand und Boden formen ein abstraktes Kunstwerk.
Ein Gewirr aus dicken, schwarzen, latenbandartigen Kordeln.
Ein iPad-Bildschirm zeigt die Übersetzung des Hindi-Wortes „rayon“ in eine andere Sprache.
Drei Personen betrachten abstrakte Linienmalereien in einer Ausstellung.
Eine weiße Tafel mit vielen handgeschriebenen Notizen in einem Raum.
Ein Whiteboard mit Aufzeichnungen und eine runde Platte auf hellem, bespritzten Boden.

Künstler*in

  • Sarah Ancelle Schönfeld

Kurator*in

  • Imke Kannegießer

Forscher haben etwas Neues über Tintenfische gefunden. Die Gene von Tintenfischen sind besonders. Sie haben Gene, die sonst nur Säugetiere haben. Tintenfische haben 33.000 mehr Anweisungen für Proteine als Menschen. Die Forscher wissen nicht, warum das so ist. Sie haben einen Scherz gemacht. Sie haben gesagt: Tintenfische sind Aliens. Viele Menschen haben das ernst genommen. Sie denken: Tintenfische sind fremde Wesen. Das war lustig. Aber Tintenfische sind keine Aliens. Es wäre trotzdem spannend zu wissen: Woher kommen Tintenfische? Wie sind sie entstanden?

Kopffüßer nutzen Öl als Sprache. Botschaften sind im Öl gelöst. Die Tinte, die sie ausstoßen, ist keine Warnung. Die Tinte ist eine Wolke mit codierten Botschaften. Oktopusse nutzen Tinte, um zu kommunizieren. Auf einem Planeten mit Kopffüßern gibt es viel Tinte und Öl. Andere Wesen müssen sich anpassen. Ihre Welt ist glitschig und träge. Die Signale sind wie ein starker elektromagnetischer Sturm. Informationen sind nicht unsichtbar. Sie sind zähflüssige Materie.

Kopffüßer verstehen Hormonwolken. Sie nutzen Duftstoffe als Antwort. Sprache ist für sie mehr als Kommunikation. Sie nutzen Sprache, um Dinge zu erschaffen. Oktopusse nutzen Duftstoffe zum Bauen und Gestalten. Sie erschaffen „Erfahrungsräume“. Diese Räume sind veränderlich und beweglich. Kopffüßer erschaffen Kunst und Städte aus Duft. Geruch ist mit Gedächtnis und Sprache verbunden. Kopffüßer verstehen das gut.

Auszug aus „Octopus Oracle“, Ashkan Sephavand über Sarah Ancelle Schönfelds „Alien Linguistic Lab“, übersetzt von Julia Ritter