State and Nature

Preludes im öffentlichen Raum
30.3.–17.10.2021

Yael Bartana, Resurrection I-II, 2020
Yael Bartana, Resurrection I-II, 2020
Jan St. Werner Encourage The Stream, 2021 Soundinstallation © Çağla İlk
DAF (Dynamische Akustische Forschung) U-, 2020 Licht- und Soundinstallation © Joshua Redfearn
Sunette L. Viljoen & Egemen Demirci Exclusive Incline, 2021 Skulpturale Installation © Jan Windszus

Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden freut sich, im Rahmen von State and Nature vier neue künstlerische Arbeiten von Yael Bartana, Jan St. Werner, DAF (Dynamische Akustische Forschung) sowie Sunette L. Viljoen und Egemen Demirci für den öffentlichen Stadtraum anzukündigen.

Das Jahresprogramm State and Nature setzt sich ausgehend von der die Institution umgebenden Parklandschaft mit dem wandelbaren Verhältnis von Staat und Natur auseinander. Das Verständnis von institutioneller Identität als „staatlich“ und Natur als Ressource spielt eine entscheidende Rolle, um Politiken der Repräsentation, Selbst- und Fremdzuschreibungen, sowie soziale und ökonomischen Infrastrukturen neu zu bewerten.

Bevor im Juni 2021 die gleichnamige große Ausstellung eröffnet, startet das Programm in den Frühlingsmonaten mit vier Arbeiten im öffentlichen Raum, den sogenannten Preludes, und setzt damit spielerisch subversive Akzente und Kontraste in der unmittelbaren Umgebung der Kunsthalle. Die künstlerischen Arbeiten beziehen sich auf unterschiedliche sinnliche und mediale Verfahren wie Fotografie, Objekt- und Soundinstallation. Sie stellen eine vielschichtige und nuancierte Verbindung zu ihrer jeweiligen Umgebung her und sind für das Publikum in der aktuellen Situation der Pandemie unter freiem Himmel erlebbar.

 

Ab 30.03. bis 28.06. im öffentlichen Raum:

Yael Bartana – Resurrection I–II

Plakataktion

Den Auftakt macht die Künstlerin Yael Bartana mit ihrer fotografischen Arbeit Resurrection I–II (2020), die an mehreren Orten der Stadt auf Plakatwänden gezeigt wird. Darin berührt Bartana Fragen der kulturellen Dominanz des öffentlichen Raums sowie identitärer Zuschreibung und Zugehörigkeit ebenso wie die mediale und künstlerische Aneignung von bildlichen Schemata. Die Fotografien zeigen die Künstlerin mit halb verhülltem Gesicht und einem lebenden Hasen auf dem Arm, eine gezielt Anspielung auf die symbolgeladenen Performances von Joseph Beuys. Im Jahr von Beuys’ 100. Geburtstag stellt Bartanas visuelle Neuinterpretation, wie sie sagt, die „andächtige und priesterliche Natur der Kunstwelt sowie die Autorität des traditionell männlichen Künstlertypus“ infrage.

 Resurrection I–II entstand im Herbst 2020 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden während der jüdischen Feiertage Jamim Noraim, die zehn Tage der Ehrfurcht zwischen Rosch HaSchana (Jüdisches Neujahr) und Jom Kippur (Tag der Versöhnung), die das vergangene Jahr abschließen und den Weg für einen Neuanfang ebnen. In den Wochen um das christliche Osterfest, das ebenfalls den Neuanfang zelebriert, erzeugt Bartanas düstere Fotografie im frühlingshaften Stadtraum Baden-Badens eine kontrastreiche Spannung.

 

Ab 12.05.2021 bis 17.10.2021 im öffentlichen Raum

Jan St. Werner – Encourage The Stream

Soundinstallation im Park an der Lichtentaler Allee

Die Soundinstallation Encourage The Stream (2021) von Jan St. Werner, der einen Hälfte der elektronischen Musikgruppe Mouse on Mars, fungiert als akustische Verstärkung des Flusses Oos, der durch den Park als Herzstück von Baden-Baden fließt und dessen Natur prägt. In dem Versuch, mit der Oos zu kommunizieren, platziert Werner ein Mikrofon knapp über dem Wasser und transportiert das Rauschen des Flusses durch Lautsprecher über das Flussufer hinaus in den Park in Richtung der Kunsthalle. Werner schafft anhand dieses Verfahrens die Möglichkeit, die Oos auf verschiedenen Frequenzen des Klangs (akustisch) zu erforschen/wahrzunehmen und neue Raumbeziehungen herzustellen. Durch den aktiven Akt des Zuhörens entsteht ein Wahrnehmungserlebnis von Distanz und Nähe. In dem Moment, wenn sich diese beiden Ebenen akustisch miteinander vermischen, wird eine Verbindung geschaffen, die über das Zuhören hinaus, kognitive Prozesse anstößt und das Sehen mitverändert. Das akustische Überwinden von Raum und Zeit steht in dieser Arbeit auch für das sich einlassen auf die Kräfte der Natur. Es ist daher kein Zufall, dass das erste groß angelegte Kunstwerk im öffentlichen Raum, das von Çağla İlk und Misal Adnan Yıldız für ihre Amtszeit in Auftrag gegeben wurde, ein Einzelprojekt einer experimentellen, künstlerischen Praxis ist, die die Bereiche visuelle Kunst und Klang zusammenführt. Indem sich Institutionen, wie auch der Menschen an sich, auf die Natur in ihrer direkten Umgebung einlassen, können sie ihre Umgebung unterstützen, sich mit ihr verbinden und ihren Erhalt als sinnliche und materielle Ressource erleben.

 

DAF (Dynamische Akustische Forschung)- U-
Licht- und Soundinstallation im Park an der Lichtentaler Allee

Das Kollektiv DAF (Dynamische Akustische Forschung), das sich als entgrenzende Gemeinschaft versteht und lange unter der Mentorenschaft von Jan St. Werner an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg gewachsen ist, nähert sich mit seiner Arbeit aus der Serie U- (2021) dem Publikum sowohl akustisch als auch visuell. Um das in der Parkanlage an der Lichtentaler Allee installierte hinterleuchtete Schild mit weißem U auf blauem Grund erklingen Geräusche, die an die Klangwelten unterirdischer Transportsysteme erinnern: ein rhythmisches Pochen, ein schweres Schleifen, durchsetzt von hellem Klingeln. Die spontan-adaptive Transformation des Ortes durch die Anbindung an ein symbolisches Netzwerk untertunnelt die absolute Bedingungslosigkeit der Realität. Sie öffnet den Raum für reale und imaginäre Möglichkeiten und stellt die Frage nach Orten und Nicht-Orten, die durch sie verbunden werden.

 

Sunette L. Viljoen & Egemen Demirci – Exclusive Incline
Skulpturale Installation im Stadtraum Baden-Badens

In ihrer kollaborativen Arbeit Exclusive Incline (2020) nehmen sich Sunette L. Viljoen und Egemen Demirci den Objekteigenschaften einer Markise an, um Fragestellungen zu konzeptuellen Grenzen von Abstraktion, Raum und Ausstellungspraktiken zu thematisieren. Die Zusammenarbeit an diesem Projekt begannen die beiden Künstler*innen in Berlin und übertragen nun das Konzept in den Stadtraum Baden-Badens, den sie hierfür eingehend beobachtet haben. Die eigens für Baden-Baden entworfene, minimalistisch-farbintensiv gestaltete Markise schafft durch ihre ungewöhnlichen Maße einen privaten Raum in der Öffentlichkeit. . Nähert man sich, so offenbart die Markise im Siebdruckverfahren eingeschriebene Sätze wie “Guilt carries the deed”. Das Objekt wird so zur Metapher für das gesellschaftlich-politische Abwenden von Schuldfragen und der damit einhergehenden Überheblichkeit der Täter*innenrolle. Die Arbeit von Viljoen und Demirci lädt das Publikum dazu ein, innerhalb dieses privat-öffentlichen Raums über die Motivationen im persönlichen und öffentlichen Leben nachzudenken, die einen ähnlichen Weg gehen und eigene Bedürfnisse und Räume schaffen.

Die Standorte der Preludes werden anhand einer Stadtkarte auf der Webseite der Kunsthalle Baden-Baden zeitnah bekannt gegeben.

 

Save the Date:

State and Nature

Ausstellung 19.06. – 17.10.2021

16. Juni Pressekonferenz

18. Juni Ausstellungseröffnung

 

State and Nature wird kuratiert von Çağla Ilk und Misal Adnan Yıldız mit Hendrik Bündge und Benedikt Seerieder.

Montag
Geschlossen
Dienstag
10–18 Uhr
Mittwoch
10–18 Uhr
Donnerstag
10–18 Uhr
Freitag
10–18 Uhr
Samstag
10–18 Uhr
Sonntag
10–18 Uhr
Preise
Erwachsene
7 Euro
Ermäßigt
5 Euro
Schüler*innen
3 Euro
Familie
11 Euro
Alle Preise
Adresse

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8 a
76530 Baden-Baden

Kontakt

T +49 7221 30076-400
F +49 7221 30076-500
info@kunsthalle-baden-baden.de