Nach dem frühen Tod

21.3.–21.6.2015

Ana Mendieta, Untitled (Silueta Serie, Iowa), 1980, S/W-Fotografie, 121,5 x 156 cm, Sammlung Daros Latinamerica Collection, Zürich, © The Estate of Ana Mendieta Collection, L.L.C., Courtesy Galerie Lelong, New York
Michel Majerus, Space Invaders 2, 2002, Acryl und Siebdruck auf Baumwolle, 400 x 280 cm, Privatsammlung, © Michel Majerus Estate 2002, Courtesy neugerriemschneider, Berlin
August Macke, Märchenerzähler, 1912, Öl auf Holz und Malpappe, 38,5 x 42 cm, Museum Frieder Burda, Baden-Baden, © Foto: Archiv Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Absalon, Proposition d`Habitation, 1991, Depafitplatten, Leim, Acryl, 29 x 74 x 54 cm, Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, Foto: Stefan Altenburger, Zürich, © The Absalon Estate
Hélio Oiticica, Metaesquema, 1957, Gouache auf Pappe, 45 x 54 cm, Sammlung Daros Latinamerica Collection, Zürich, Foto: Peter Schälchli, Zürich, © César Oiticica
Thomas Struth, Musée d’Orsay 1, Paris, 1989, Chromogendruck, 147 x 182 cm, Mudam Luxembourg - Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Foto: Christof Weber, © Thomas Struth
Absalon, Proposition d`Habitation, 1991, Depafitplatten, Leim, Acryl, 29 x 74 x 54 cm, Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, Foto: Stefan Altenburger, Zürich, © The Absalon Estate
Jean-Michel Basquiat, Amber Vision, 1988, Acryl und Ölkreide auf Leinwand, 264 x 289 cm, Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, Foto: Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, © VG Bild – Kunst Bonn 2015
Peter Roehr, O.T. (OB-1), 1963, Streichholzschachteln auf Holz, 56,5 x 58 cm, Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Schenkung Paul Maenz, Berlin, Foto: Axel Schneider, Frankfurt am Main, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Vincent van Gogh, Rosen und Sonnenblumen, 1886, Öl auf textilem Bildträger, 50 × 61 cm, Kunsthalle Mannheim, © Foto: Kunsthalle Mannheim, Cem Yücetas
Dash Snow, Reach Out & Fuck Someone, 2006/07, Verschiedene Materialien, 55 x 35 x 35cm, Sammlung Schlegel, Berlin, Foto: Jochen Littkemann, © The Dash Snow Estate, New York City
Keith Haring, o. T., 1986, Acryl und Öl auf Leinwand, 234 x 488 cm, Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, © Keith Haring Foundation

Zu Lebzeiten sind Künstler Autoren ihres Werks und steuern damit häufig selbst dessen Rezeption. Aber was passiert, wenn der Künstler in jungen Jahren stirbt und die Welt mit der Vorstellung vom unvollendeten Werk alleine lässt? Dann sind es häufig andere Faktoren, die das Nachleben des künstlerischen Œuvres – gerade im Spannungsfeld nach dem frühen Tod – bestimmen. Hier wirken Kräfte von außen ein, die unterschiedliche Erfolgsgeschichten schreiben. Die Ausstellung „Nach dem frühen Tod“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zeigt anhand von zahlreichen Fallbeispielen diese posthumen Möglichkeiten von Strategien des Außen in den letzten einhundert Jahren auf.

Als Prototyp des leidenden Künstlers der Moderne gilt Vincent van Gogh, der zu Lebzeiten, wie gerne kolportiert wird, kaum ein Gemälde verkaufte. Sinnbildhaft erscheint sein Leben, dass er im Juli 1890 mit einem selbst zugefügten Brustschuss beendete. Seither hat sich die Nachfrage nach seinen Werken stetig erhöht und damit Gründe zum Verständnis für ein Leben geschaffen, das sich wie ein mythisches Modell darbietet. Die Arbeiten van Goghs werden aber nicht nur in Museen ausgestellt, sondern sind ebenso in zahlreichen Museumsshops erhältlich: Als Krimskrams wie Tassen, Schirme oder Kalender mit seinen Motiven. Sie stehen beispielhaft für die Vermarktung des Œuvres nach dem frühen Tod. Unsere These lautet, dass sich seitdem ein Muster etabliert hat, mit dem Werke nach dem Tod der Künstler auf eine spezifische Art und Weise stilisiert werden können.

Welche unterschiedlichen strategischen Instrumente es zur Stilisierung eines Mythos und dem unvollendeten Werk gibt, ist dabei eng an die Künstlerauswahl dieser Ausstellung gekoppelt. Sei es der Geniekult, der häufig die Rezeption auf den Kunstmärkten bedingt, allen voran auf dem secondary market, und für den die Lieblinge der New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre wie Jean-Michel Basquiat oder Keith Haring stehen. Die Bedeutsamkeit der Werke von Künstlerinnen wie Eva Hesse oder Ana Mendieta werden vermehrt innerhalb eines institutionellen Rahmens gewürdigt. Ebenso wichtig ist die Funktion der Medien, die ihrerseits die breite Öffentlichkeit informieren. So sind Künstler wie Christoph Schlingensief oder Dash Snow vor allem zu polarisierenden und schillernden öffentlichen Personen geworden, die im Zusammenspiel mit ihren Werken provozierten. Gerade nach ihrem Tod werden sie von den Medien zu einem in sich geschlossenen einheitlichen Bild stilisiert. Etwas Mysteriöses haftet dem Tod des niederländischen Künstlers Bas Jan Ader an, der anläßlich seiner Performance „In Search of the Miraculous“ auf See verschwand und danach zunächst als artist’s artist bekannt war.

Diese und zahlreiche weitere Künstler, wie Gerhard von Graevenitz, Michel Majerus oder Francesca Woodman, werden mit emblematischen Werken in der Ausstellung zu sehen sein, um die diversen Arten des unvollendeten Werks aufzuzeigen. Dem ästhetischen Genuss wird die Wirkmacht von kritischer Biografie und Rezeptionsgeschichte und den Umständen eines frühen Todes der beteiligten Künstler gegenübergestellt. Anders als im Museum, wo man häufig als Betrachter nicht mehr diese Tatsache reflektiert, wird die teilweise unmittelbare Zeitgenossenschaft der ausgestellten Werke in unserer Ausstellung auf tragische Weise ersichtlich.

Die Tatsache, dass eine öffentlichen Institution wie die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden mit in den Kreislauf dieser Wertschöpfungskette des künstlerischen Werks eingebunden ist, wird ebenso in der Ausstellung reflektiert.

Kuratoren: Hendrik Bündge und Johan Holten

Es ist ein umfangreicher Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln erschienen.

Montag
Geschlossen
Dienstag
10–18 Uhr
Mittwoch
10–18 Uhr
Donnerstag
10–18 Uhr
Freitag
10–18 Uhr
Samstag
10–18 Uhr
Sonntag
10–18 Uhr
Preise
Erwachsene
7 Euro
Ermäßigt
5 Euro
Schüler*innen
3 Euro
Familie
11 Euro
Alle Preise
Adresse

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8 a
76530 Baden-Baden

Kontakt

T +49 7221 30076-400
F +49 7221 30076-500
info@kunsthalle-baden-baden.de