Programm

07.05.2022 – 14 Uhr
COSMOS OTTINGER – revisited

COSMOS OTTINGER – revisited

Vorträge zu CURATORIAL CARE, OPPOSING THE GAZE / OWNING REPRESENTATION und PERFORMATIVE ACTIVISM

Symposium, Samstag 07.Mai 2022, 14-17 Uhr

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Das Begleitprogramm zur Ausstellung soll durch drei Vorträge: CURATORIAL CARE, OPPOSING THE GAZE / OWNING REPRESENTATION und PERFORMATIVE ACTIVISM unseren Blick auf den COSMOS OTTINGER weiten indem junge Kunst- und Kulturschaffende einen Aspekt der Ausstellung hervorheben und durch aktuelle Ansätze zu de Themen Repräsentation, Inklusion und Solidarität diskutieren.

Konzeption: Savannah Thuemler

CURATORIAL CARE

Jeanne-Ange Wagne*

Wie lässt sich das Werk einer Künstlerin ausstellen, dessen Arbeiten häufig marginalisierte Personengruppen inszenieren, ohne einen voyeuristischen Blick zu reproduzieren? Wie begegnen wir mit Achtsamkeit und Solidarität Ausstellungen, die kritische, subversive, emotional aufgeladene oder graphische Inhalte präsentieren?

Jeanne-Ange Wagnes akademische Recherche und Praxis als Kunstvermittlerin orientieren sich an notwendigen Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Solidarität sowie Selbstbestimmung. Sie fasst die westliche Geschichtsschreibung kritisch ins Auge und setzt sich in diesem Zusammenhang mit post-kolonialen Verstrickungen, die kultur- und bildungsstiftende Institutionen betreffen, auseinander.

* Jeanne-Ange Wagne ist Kunsthistorikerin und freiberufliche Kunstvermittlerin u.a. in den Kunst-Werke Berlin (KW Institute for Contemporary Art). Sie ist für das transnationale Forschungsprojekt The Restitution of Knowledge der Technischen Universität, Berlin tätig.

OPPOSING THE GAZE / OWNING REPRESENTATION

Chima Okerenkwo*

Im Mittelpunkt Ulrike Ottingers Arbeiten stehen oft von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossene Individuen. Ihr Blick führt in ihren filmischen Arbeiten mit Inszenierungen zwischen Dokumentation und Traumerzählung an den Rand der Gesellschaft und weist immer wieder auf deren Tabus hin.

Chima Okerenkwos jüngsten filmischen Arbeiten behandeln das entfremdete Lebensgefühl afrodeutscher Perspektiven und geben so einer scheinbaren Minderheit durch das Medium Film eine Stimme. Er war Mitbegründer der BIPoC Film Society, 2020, und ist der Ambassador für Diversität an den staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. 2022 startet sein Screeningprojekt Synergie – eine transkontinentale Filmvorführungsreihe, welche sich auf den Diskurs zwischen Videoart und dem narrativen Film konzentriert.

*Chima Okerenkwo ist Filmemacher und Filmkurator.

.GANGS OF PERFORMATIVE ACTIVISM

Sunny Pfalzer*

Kritik an der Verharmlosung von Krieg, künstlerische Denkmäler politisch Verfolgter und die Absurdität des Faschismus: Die Beschäftigung mit Aktivismus und Protestkulturen zieht sich durch Ulrike Ottingers Oeuvre.

Sunny Pfalzers Vortrag ist eine Auseinandersetzung mit performativen Strategien des Aktivismus und der Frage, durch welche geteilten Erfahrungen Kollektivität entsteht. Die Untersuchung gibt einen Überblick über Strategien aktueller Protestgruppen wie u.a. Pussy Riot oder den Guerilla Girls und hebt exemplarisch Methoden des performativen Aktivismus hervor, z.B. Kostüm/Anonymität/Uniform, kollektive Empathie, gemeinsame Ziele und gemeinschaftliche Aktionen wie das Singen im Chor.

*Sunny Pfalzer ist Performance- und bildende Künstler*in

 

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18.02.2022 – 18 Uhr
Eröffnung Cosmos Ottinger

Fabelhafte Welten, surreal anmutende Szenerien und düstere sowie heitere Elemente – es gibt keinen perfekteren Ort als den Cosmos Ottinger, um einen queeren Blick zu definieren oder eine feministische Perspektive zu formulieren, oder noch besser, um eine persönliche und politische Brücke zu bauen, um alle diese Elemente zu vereinen. Ulrike Ottingers Kosmos ist eine Galaxie für sich, ein Weltraum, eine extraterrestrische Schwelle, die uns dabei hilft zu verstehen, wer wir heute sind. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden präsentiert das facettenreiche OEuvre der international renommierten Künstlerin.
Der Ausstellungsrundgang führt anhand von Drehbüchern, Filmrequisiten, Objekt- und Kostüminstallationen, Stoffcollagen, Fotografien durch die extravaganten Filmwelten der Künstlerin. Reminiszenzen an ihre einzigartigen Werke wie Freak Orlando (1981) oder Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984) sowie Beispiele ihrer subtilen Regietätigkeit in anderen Bereichen bilden eine Storyline, um zu verstehen, wie Ottinger sich erinnert und ihre eigene Art des Erzählens rekonstruiert. Die Ausstellung endet mit der Präsentation von Ottingers Malereien, die sie als junge Künstlerin in Paris schuf. Mit ihren Gemälden gilt sie als eine der bedeutendsten Repräsentantinnen der Pop-Art in Europa. Diese Arbeiten erinnern daran, dass eine kritische und kreative Auseinandersetzung mit Problematiken, die bereits vor fünfzig Jahren in den studentischen Protesten in Paris angeprangert wurden, unablässig sein muss.

Wir würden uns freuen Sie zu dieser besonderen Ausstellung und ihrer Eröffnung am 18.02.2022 um 18 Uhr begrüßen zu dürfen.

 

Für Ihren Besuch in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden gilt nach der Corona Verordnung des Landes Baden-Württemberg die 2G Regel, bitte führen Sie Ihren Impf- oder Genesenen-Nachweis mit. Außerdem ist das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht.

Weitere Informationen zu den Covid-19-Maßnahmen finden Sie hier.

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15.05.2022 17 Uhr
Paris Calligrammes – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

Jeder Aufbruch beginnt mit einem Abschied: Wir schreiben das Jahr 1962, als sich Ulrike Ottinger von ihrer Heimatstadt Konstanz aus nach Paris aufmacht, weil ihr die politische Situation in Deutschland unerträglich geworden ist. Unterwegs sieht sie sich gezwungen ihre mit Eulen bemalte himmelblaue Isetta mit einem Motorschaden am Straßenrand zurückzulassen. Weiter geht die Reise als Anhalterin in einem großen schwarzen Citroën mit fünf Herren in Hut und Mantel, die Ottinger vorkommen „wie Bankräuber oder Darsteller eines Film Noir“. Kann eine Geschichte, die so beginnt, auf etwas anderes hinauslaufen als auf ein großes Abenteuer?

„Ich war 20 Jahre jung und mit dem festen Ziel nach Paris gekommen, eine große Künstlerin zu werden“, so setzt die Erinnerung Ottingers ein. In „Paris Calligrammes“ stellt sie sich der Herausforderung, einen Film zu machen „aus der Perspektive einer sehr jungen Künstlerin, an die ich mich erinnere, mit der Erfahrung einer älteren Künstlerin, die ich heute bin“.

In einem dichten Strom aus akustischem und visuellem Archivmaterial, verknüpft mit eigenen künstlerischen und filmischen Arbeiten, lässt Ottinger Saint-Germain-des-Prés und Quartier Latin mit ihren Literatencafés und Jazzkellern, die Begegnung mit Vertretern des jüdischen Exils, das Zusammenleben mit ihren Künstlerfreunden, die Gedankenwelt der Pariser Ethnologen und Philosophen, die politischen Umwälzungen des Algerienkrieges und des Mai 68 und das Erbe der kolonialen Zeit wieder aufleben. „Ich folgte den Spuren meiner Heldinnen und Helden“, erzählt Ottinger, „und wo immer ich sie fand, werden sie in diesem Film erscheinen.“

Viele von ihnen findet Ottinger im deutschen Antiquariat „Librairie Calligrammes“ des jüdischen Exilanten Fritz Picard, der rund 25 Jahre zuvor vor den Nazis nach Frankreich geflohen ist. Für Ulrike Ottinger wird die „Librairie Calligrammes“ „ein Ort, an dem die Hoffnung aufschien, eine brutal aus den Angeln gehobene Welt wieder zusammenzubringen“, eine gelebte und belebte Utopie.

„Paris Calligrammes“ wurde im Rahmen des SWR Dokufestivals mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur ausgezeichnet.

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08.05.2022 17 Uhr
Exil Shanghai (Teil 2) – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

Sechs Lebensläufe deutscher, österreichischer und russischer Juden, die sich im gemeinsamen Fluchtpunkt Shanghai kreuzen. Aus Erzählungen, Photos, Dokumenten und neuen Bildern aus der größten und widersprüchlichsten Metropole des Fernen Ostens wird ein Ganzes, in dem das historische Exil aktuelle Brisanz gewinnt.

Langsam und vorsichtig nähert sich der Film der Stadt wie ein Reisender vom Meer, betrachtet den Hafen, bleibt an europäisch anmutenden Fassaden hängen, lange Einstellungen von Märkten, Stadtverkehr; einer Suppenküche. Er berichtet von einer gegenwärtigen Abwesenheit, die zarte Spuren hinterlassen hat – die der Juden in Shanghai. Fragment einer Stadtgeschichte, über die sich sowohl die chinesische Geschichtsschreibung als auch die der Diaspora bislang ausgeschwiegen haben. Ottinger läßt sie wiedererstehen, indem sie Menschen reden läßt, ihnen viel Zeit für die persönliche und allgemeine Geschichte gibt.

Drei Wellen jüdischer Zuwanderung hat Shanghai erlebt: eine kaufmännische im 19. Jahrhundert durch die Sephardim und zwei der Flucht vor osteuropäischen Pogromen und dem deutschen Völkermord. Heute sind sie erneut vertrieben; manche schon durch die japanische Okkupation in den vierziger Jahren, die restlichen durch die chinesische Rückeroberung in den fünfzigern.

Ulrike Ottinger hat sie in ihren neuen Residenzen in Kalifornien besucht und läßt sie vor laufender Kamera berichten: Vom Kampf um Arbeit und das tägliche Uberleben, von deutschsprachigen Zeitschriften und chinesischen Kohleöfchen, von Wiener Bäckereien und Berliner Wurstküchen, vom Elend erneuter Ghettoisierung, aber auch vom Luxus der kolonialen Existenz, die manche unter ihnen genossen.

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01.05.2022 17 Uhr
Exil Shanghai (Teil 1) – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

Sechs Lebensläufe deutscher, österreichischer und russischer Juden, die sich im gemeinsamen Fluchtpunkt Shanghai kreuzen. Aus Erzählungen, Photos, Dokumenten und neuen Bildern aus der größten und widersprüchlichsten Metropole des Fernen Ostens wird ein Ganzes, in dem das historische Exil aktuelle Brisanz gewinnt.

Langsam und vorsichtig nähert sich der Film der Stadt wie ein Reisender vom Meer, betrachtet den Hafen, bleibt an europäisch anmutenden Fassaden hängen, lange Einstellungen von Märkten, Stadtverkehr; einer Suppenküche. Er berichtet von einer gegenwärtigen Abwesenheit, die zarte Spuren hinterlassen hat – die der Juden in Shanghai. Fragment einer Stadtgeschichte, über die sich sowohl die chinesische Geschichtsschreibung als auch die der Diaspora bislang ausgeschwiegen haben. Ottinger läßt sie wiedererstehen, indem sie Menschen reden läßt, ihnen viel Zeit für die persönliche und allgemeine Geschichte gibt.

Drei Wellen jüdischer Zuwanderung hat Shanghai erlebt: eine kaufmännische im 19. Jahrhundert durch die Sephardim und zwei der Flucht vor osteuropäischen Pogromen und dem deutschen Völkermord. Heute sind sie erneut vertrieben; manche schon durch die japanische Okkupation in den vierziger Jahren, die restlichen durch die chinesische Rückeroberung in den fünfzigern.

Ulrike Ottinger hat sie in ihren neuen Residenzen in Kalifornien besucht und läßt sie vor laufender Kamera berichten: Vom Kampf um Arbeit und das tägliche Uberleben, von deutschsprachigen Zeitschriften und chinesischen Kohleöfchen, von Wiener Bäckereien und Berliner Wurstküchen, vom Elend erneuter Ghettoisierung, aber auch vom Luxus der kolonialen Existenz, die manche unter ihnen genossen.

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24.04.2022 17 Uhr
Laokoon & Söhne / Berlinfieber. Wolf Vostell / Superbia. Der Stolz – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

Laokoon & Söhne. Die Verwandlungsgeschichte der Esmeralda del Rio

Märchen kommen
Märchen sollen bleiben
Ich bin ein Bild
Ich bin ein Märchen
Und dies ist die Musik
Dies ist Laokoon und Söhne

Chiquita Brook übersetzt und bearbeitet von Ulrike Ottinger

Als Witwe Olimpia Vincitor begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Unter dem Namen Linda MacNamara triumphiert sie als Schlittschuhläuferin in einem Zweikampf gegen die Fallschirmdame Kakalia Katzen. Tristan Tzara erscheint zu den Ritualfesten der Damen von Laura Molloy und wird Direktor der fahrenden Zirkustruppe ,Laokoon und Söhne‘.
Der Tod einer Künstlerin und die Zerstörung ihres Ateliers durch sieben Erinnyen, die in der Gestalt von Feuerwehrleuten aus dem Wasser auftauchen, stehen in direkter Beziehung zum Erscheinen des Zirkus. Endlich bringt die Verwandlung Esmeralda del Rios in eine neue männliche Rolle, die des Gigolos Jimmy Junod, einen Hauch von Abenteuer in das bescheidene, aber ausgefüllte Leben von Veronika Dalton, die den Namen Hubert Dupavillon angenommen hatte. Aber der Steckbrief Jimmy Junods ist der Polizei der ganzen Welt bekannt.
Ulrike Ottinger

 

Berlinfieber – Wolf Vostell

„ADA Aktionen der Avantgarde, unter diesem Stichwort fand sich 1973 im Neuen Berliner Kunstverein eine Initiativgruppe zusammen, um kurzfristig ein Modell einer Veranstaltung experimenteller Kunst zu den Berliner Festwochen 1973 zu realisieren. ADA ging von der Idee aus, traditionelle Ausstellungsformen zu überwinden. ADA sollte nicht von ‚Machern‘ konzipiert werden, sondern von Künstlern. ADA sollte nichts Feststehendes sein, das dem Publikum zum Eröffnungstag fertig und für vier oder fünf Wochen unverändert serviert wird.“ (Jörn Merkert, Ursula Prinz)

Der Künstler Wolf Vostell beteiligte sich an der ersten Ausgabe der Veranstaltungsreihe ADA mit seinem Environment „Auto-Fieber“ und dem Happening „Berlinfieber“.

Ulrike Ottinger dokumentierte Beides. Daraus entstand der Film „Berlinfieber – Wolf Vostell“, eine Happening-Dokumentation von Ulrike Ottinger.

 

Superbia – Der Stolz

Ich bin die Hoffart. Ich bin die stolze Wurzel allen Übels.
Ich bin Superbia, die erste im Kanon der sieben Todsünden. Ich stehe stets an erster Stelle.
Aus mir wächst der Baum des Lasters, dessen sündige Früchte meine sechs Töchter sind: Völlerei — Trägheit — Geiz — Zorn — Neid — Wollust.

Aber sehen Sie doch selbst, wie Luciphera Superbia, deren Karosse von den sechs Untersünden gezogen wird, im Triumphzug mit großem Gefolge und der Dienerin Blasphemia zu ihrer Hochzeit mit der Welt fährt.

Prolog, gesprochen von lrm Hermann

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17.04.2022 17 Uhr
Prater – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

Menschen, Monster, Sensationen. Mit betörenden Bildern verwandelt Ulrike Ottingers Film Prater den beliebten Wiener Ort der Sensationen in ein Kinoerlebnis. Der Prater ist ein realer Ort des Vergnügens und eine Wunschmaschine. Keine technische Erfindung, keine bahnbrechende Idee, keine sensationelle Neuigkeit, die nicht sofort im Prater aufgetaucht wäre. In Miniaturen wird die Geschichte des Wiener Praters von den Anfängen bis heute erzählt. Das bunte Erscheinungsbild des Praters im Spiegelbild seiner technisch medialen Entwicklung wird mit Texten von Elfriede Jelinek, Josef von Sternberg, Erich Kästner, Elias Canetti illustriert und durch vielseitige Musiken akzentuiert.

Praterdynastien erzählen vom Schaustellerleben. Wir begegnen den Nachkommen des „Manns ohne Unterleib“, der um 1900 mit Frau und Kindern eine Vielzahl bis heute bestehender Vergnügungsbetriebe gründete. Wir treffen die Besitzer des Schweizerhauses, Manager eines gastronomischen Spitzenbetriebs, deren Vorgänger kaiserliche Jagdtreiber waren, oder den Prater-Heinzi, der ausgemusterte Illusionsmaschinen repariert. Zusammen mit den Praterbesuchern von früher und heute reisen wir, ohne uns von der Stelle zu bewegen: Wien verwandelt sich in Klein-Venedig mit Kanälen, Rialtobrücke und Dogenpalast. Von hier aus kann man Postkarten in alle Welt verschicken. Und über all dies trägt uns das Riesenrad und bietet uns den Blick über die Dächer von Wien.

Bei Tag gehört der Prater den Kindern und Familien. Mit strahlenden Augen sitzen die Kleinen in Miniaturautos und vor dem Kasperltheater. Der Abend zieht die Jugendlichen magisch an und alle, die jung geblieben sind. Dann verwandelt sich der Tanztee in eine wilde Disco einsamer Herzen. Teenager zeigen mit abenteuerlicher Akrobatik zu osteuropäischen Raprhythmen, dass keine Zentrifugalkraft sie aus dem Gleichgewicht bringen kann. Eine Jugendgang beweist sich am „Watschenmann“. Und über allem glitzern die in bunten Farben leuchtenden Achterbahnen. Ejection Seats, Karussels und Autoscooter machen den Sternen am Nachthimmel Konkurrenz. Wirklichkeit und Illusion, Vergangenheit und Gegenwart: Hier geben sie sich ein fulminantes Stelldichein.

Ulrike Ottingers Film Prater taucht mit seinen atemberaubenden Bildern jeden Kinogänger in sein eigenes Universum der Wünsche und Sensationen. Er verbindet die Kulturgeschichte des ältesten Vergnügungsparks der Welt mit brillanten Einblicken in die Wandelbarkeit der technischen Attraktionen. Zugleich erzählt er von Menschen, für die der Prater Ort der Unterhaltung, der Erinnerung oder ganz einfach Lebensmittelpunkt ist. Der Wiener Prater ist eine Wunschmaschine. Mit der neuesten Raumfahrttechnik lässt man sich in den Himmel schießen und in der Geisterbahn trifft man die Monster der Kinogeschichte. Die Wiese (Pratum) – früher Jagdrevier des Kaisers – ist heute Spielwiese für jedermann. Der Sprung durch Raum und Zeit: Hier ist er möglich.

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10.04.2022 17 Uhr
Zwölf Stühle – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

Auf dem Sterbebett vertraut eine alte russische Aristokratin ihrem Schwiegersohn ein streng gehütetes Geheimnis an. In einem der zwölf Stühle ihrer alten, nach der Revolution enteigneten Salongarnitur hatte sie ihren wertvollen Juwelenschmuck versteckt. Ihr Schwiegersohn, der ehemalige Adelsmarschall und Lebemann Ippolit Matwejewitsch Worobjaninow, der als Standesbeamter in einem Provinznest sein Leben fristet, begibt sich unverzüglich auf die Suche nach dem Schatz. Die zwölf Stühle sind inzwischen im ganzen Land verstreut. Schon auf der ersten Station heftet sich Ostap Bender an seine Fersen, ein gewitzter, buntscheckiger Gauner, der die Jagd nach den Brillanten energisch an sich reißt.

Eine tolle Reise beginnt von Nord nach Süd und von West nach Ost, zu Wasser und zu Lande, vom Dorf in die Metropole. Das ungleiche Gespann hat einen Rivalen in Vater Fjodor. Er hatte der einst wohlhabenden Aristokratin die letzte Beichte abgenommen und kennt so als Dritter im Bund ihr Geheimnis.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow und verknüpft in spektakulärer Weise die Dramaturgie einer Schatzsuche und Verfolgungsjagd mit einer dichten Bilderwelt von Personen und Orten. Er erzählt zugleich von gestern und heute, von der Realität der Menschen in den GUS-Staaten und vom Allgemeinmenschlichen unseres eigenen Handelns. Große gesellschaftliche Utopie vermischt sich so mit der individuellen Hoffnung auf das ganz persönliche Glück, sei es durchs Geld oder in der Liebe. ZWÖLF STÜHLE gelingt es, eine witzige, tragische und humane Welt zu zeigen: Sie ist immer zugleich großer Entwurf und zusammengeflickte Existenz.

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03.04.2022 17 Uhr
Madame X. Eine absolute Herrscherin – im Kino moviac

Eine Auswahl von Ulrike Ottingers Filmen wird begleitend zur Ausstellung in Kooperation mit dem Kino Moviac in Baden-Baden gezeigt – mit einem Ticket der Kunsthalle erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

 

G o l d — L i e b e — A b e n t e u e r
Alle Unzufriedenheit, die in ihnen steckte,
vereinte sich zu einem machtvollen Ganzen
und mit günstigem Wind segelten sie davon.

Ich rufe auf zu der geistreichen, sarkastischen
und irgendwie doch romantischen Madame X!
Patricia Highsmith

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Geschlossen
Dienstag
10–18 Uhr
Mittwoch
10–18 Uhr
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Christi Himmelfahrt
Freitag
10–18 Uhr
Samstag
10–18 Uhr
Sonntag
10–18 Uhr
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