(In search of) The perfect lover

15.3.2003 – 11.5.2003

„(In Search of) The Perfect Lover“ ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und der Sammlung Hauser und Wirth in St. Gallen, das die Zeichnung zum Thema hat. Zeichnung gilt als intimer und unmittelbarer Ausdruck des Künstler-Ichs, der nur selten durch nachträgliche Korrektur geglättet ist. Sie öffnet den weiten Raum der Imagination und erhält auf eigentümliche Weise den Schwebezustand des Gefühlten, noch nicht Festgelegten bei. Zeichnen bedeutet die Berührung einer Oberfläche, vergleichbar der Berührung einer menschlichen Haut. Die Ausstellung ist diesem Verhältnis von Berührungssehnsucht, Oberfläche, Körperlichkeit, Aggressivität und Verletzlichkeit auf der Spur. In der Ausstellung sind insgesamt rund 300 Zeichnungen von Louise Bourgeois, Marlene Dumas, Paul McCarthy und Raymond Pettibon sowie einige Skulpturen zu sehen. Gemeinsames Thema der Arbeiten ist bei aller Unterschiedlichkeit der vier künstlerischen Positionen die Auseinandersetzung mit Erotik und Sexualität. Leiblich intensive Zustände wie Ekstase, Leidenschaft, Konflikte und Ängste, wie sie sich im vergleichsweise körperlosen „Gedankenmedium“ Zeichnung manifestieren, werden zu innerbildlichen Metaphern der künstlerischen Auseinandersetzung vor dem Bild. Die vier Künstlerinnen und Künstler führen kraftvoll und zart, kühl und obsessiv vor Augen, wie vielfältig die Ausdrucksformen des Mediums heute sein können. Die Sammlung Hauser und Wirth in St. Gallen ist seit Juni 1999 in den Sommermonaten in einer ehemaligen Lokremise in der Nähe des Hauptbahnhofs St. Gallen untergebracht und für die Öffentlichkeit zugänglich. Von Ursula Hauser, Manuela und Iwan Wirth vorwiegend in den letzten zehn Jahren zusammengetragen und fortlaufend erweitert, spiegelt die Sammlung die Vielfalt des internationalen Kunstgeschehens seit den frühen 90er Jahren bis heute. Kuratiert wurde die Ausstellung von Michaela Unterdörfer und Matthias Winzen. Der Katalog, herausgegeben von M. Unterdörfer und M. Winzen, ist zugleich Bestandskatalog der Werke auf Papier von L. Bourgeois, M. Dumas, P. McCarthy und R. Pettibon in der Sammlung Hauser und Wirth, mit Texten von Matthias Winzen, Michaela Unterdörfer und Edith Doove, 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 2-sprachig deutsch/englisch, € 28,- Sammlung Hauser und Wirth

Erotik und Sexualität

In der Ausstellung sind umfangreiche zeichnerische Werkgruppen von Louise Bourgeois, Marlene Dumas, Paul McCarthy und Raymond Pettibon zu sehen, ergänzt um einige Skulpturen. Bei aller Unterschiedlichkeit und Eigenart der vier künstlerischen Positionen zeigt die Ausstellung als Gemeinsamkeit die komplexe Auseinandersetzung mit den Themen Erotik und Sexualität. Leiblich intensive Zustände wie Ekstase, Leidenschaft, Konflikte und Ängste, wie sie sich hier im vergleichsweise körperlosen »Gedankenmedium« Zeichnung manifestieren, werden zu innerbildlichen Metaphern der künstlerischen Auseinandersetzung vor dem Bild. Auf der thematischen Ebene werden Sexualität und Erotik verhandelt, und zugleich spiegeln die Arbeiten den zärtlichen, aggressiven, zugewandten, fordernden, den erotischen Umgang der Künstler mit ihrem Material wider. Kreativität ist nicht konfliktfrei und erkennt sich zeichnend in den Obsessionen, Wünschen und Freuden

Medium Zeichnung

Vielen gilt die Zeichnung als nicht-körperliches Speicher- und Erinnerungsmedium, als intimer und unmittelbarer Ausdruck des Künstler-Ichs, nur selten durch nachträgliche Korrektur geglättet. Diese Eigenschaft deutet eine Nähe zum künstlerischen Denken an, verspricht sie doch Einblick in den kreativen Impuls. Zeichnen bedeutet die Berührung einer Oberfläche, vergleichbar der Berührung der menschlichen Haut, und so ist dem »Gedankenmedium« Zeichnung trotz seiner Flüchtigkeit etwas sehr Körperliches eigen: sie hinterlässt eine Spur, schreibt sich ein, verletzt eine Haut, dringt in die Tiefe. So intim die Zeichnung sein kann und an das Schreiben eines persönlichen Tagebuchs oder eines Briefes erinnern mag, so ist sie ebenso ein Medium der Entäußerung, durch das sich die oder der Zeichnende von dunklen Ahnungen, Gedanken und Affekten befreit, diese gleichsam aufs Papier wirft und aus der eigenen Psyche herauszuführen sucht. Die Ausstellung »(In Search of) The Perfect Lover« ist diesem Verhältnis von Berührungssehnsucht, Oberfläche, Körperlichkeit, Aggressivität und Verletzlichkeit auf der Spur. Das Arbeiten auf und mit dem fragilen Trägerstoff Papier lässt sich lesen als Ausdruck erotischen Begehrens: Zeichnen als Liebesakt, mit all seinen Facetten von Leidenschaftlichkeit und Zartheit, Besitznahme und Gewalt, Hemmungslosigkeit und Vereinsamung. Kreative Energie ist immer eng an das eigene (eben nicht biologisch feststehende, sondern sich – auch zeichnerisch – fortlaufend selbst interpretierende) Geschlecht geknüpft. Alle vier Künstlerinnen und Künstler zeigen das biologische Geschlecht nicht als deckungsgleich mit dem sozialen Geschlecht, vielmehr sind alle vier Werke mit dem Unterschied, mit der mitunter extremen Spannung von angeborenem Geschlecht und individueller sowie sozialisatorischer Interpretation der Geschlechterrolle befasst. Louise Bourgeois und Marlene Dumas stellen in ihren Zeichnungen und als Bildautorinnen Stereotypen von Weiblichkeit nachhaltig in Frage, während Paul McCarthy und Raymond Pettibon die in unserer Gesellschaft nach wie vor als dominant akzeptierte Männerrolle zeichnerisch geradezu zersetzen.

Sammlung Hauser und Wirth
Die Sammlung Hauser und Wirth in St. Gallen ist eine private Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst. Seit Juni 1999 ist sie in den Sommermonaten in einer ehemaligen Lokremise in der Nähe des Hauptbahnhofes St. Gallen untergebracht und für die Öffentlichkeit zugänglich. Von Ursula Hauser, Manuela und Iwan Wirth vorwiegend in den letzten 10 Jahren zusammengetragen und fortlaufend erweitert, spiegelt die Sammlung die Vielfalt des Kunstgeschehens seit den frühen 90er Jahren bis heute. Sie umfasst umfangreiche Werkgruppen und komplexe Raum-, Film- und Videoinstallationen mehrerer Dutzend zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler aus Europa und den Vereinigten Staaten. Anlass der Ausstellung ist das Bedürfnis der Sammlung, einen größeren Korpus von Werken auf Papier (die aus konservatorischen Gründen nicht in der Lokremise in St. Gallen ausgestellt werden können) in einer externen Ausstellung zu präsentieren. he und nach folgende politische Einigung alleine noch nicht hergestellt ist.