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Meisterschülerinnen/ Meisterschüler der Kunstakademie Karlsruhe

24.5.2003 – 29.6.2003

Die Kunstakademie in Karlsruhe und die Staatliche Kunsthalle in Baden-Baden nehmen ihre fast nachbarschaftliche Nähe zum Anlass für eine gemeinsam veranstaltete Ausstellung und bringen damit verschiedenste Umstände im kooperativen Projekt überein. Die Kunstakademie veranstaltet jährlich an wechselnden Orten Ausstellungen ihrer Meisterschüler, und beiden Institutionen erschien Baden-Baden schon länger als geeigneter Ort. Für die Kunsthalle wiederum erschien das Neue, Offene, im Um– und Aufbau Begriffene der jungen und aktuellsten Kunst geradezu symbolhaft passend zum improvisierten Ausstellungsbetrieb ab Mai. Dann nämlich beginnen im Foyer die Umbauarbeiten, die auch baulich die Kooperation mit dem Nachbarn, der Sammlung Frieder Burda, vorbereiten. Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe gehört zu den traditionsreichsten Kunsthochschulen Deutschlands und wird im Jahr 2004 ihr 150jähriges Bestehen feiern. Dass sich Pflege der Tradition und Entwicklungswachstum auch künstlerisch mit Erfolg vereinbaren lassen, zeigt der aktuelle Boom zahlreicher Malereiausstellungen, die sehr häufig mit den Namen Karlsruher Absolventinnen und Absolventen und Professorinnen und Professoren verbunden sind. Zu den an der Kunstakademie Karlsruhe sorgfältig gepflegten Traditionen gehört u.a. der Titel eines »Meisterschülers«. Er wird alljährlich überdurchschnittlich begabten Studierenden der freien Kunst verliehen. Eine abschließende Gruppenausstellung und ein Katalog dienen der weiteren Förderung und der Vorbereitung auf die berufliche Selbstständigkeit. So divergent ihre Werke sein mögen, eines ist allen teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam: Sie stehen am Anfang und sind schon auf dem Sprung zu neuen Ufern. Die Unterschiedlichkeit künstlerischer Verfahren und Ausdrucksweisen zeichnet den abwechslungsreichen Charakter dieser Ausstellung aus und kann die Besucher nicht nur zum Nachdenken über die Subjektivität der eigenen Wahrnehmungserfahrung animieren, sondern auch über die Zukunft von junger Kunst in der Region. Mit dieser Frage knüpft die Ausstellung an einen Teilaspekt der Ausstellung »Schwarzwaldhochstraße – Aktuelle Kunst in und aus Baden-Württemberg« an, die im letzten Sommer in der Kunsthalle zu sehen war. Es erscheint ein Katalog. Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Jörg Baier, Pet Bartl-Zuba, Ümit Bilgi, Birgit Brandis, Dimitrios Chalatsis, Christian Ertel, Christa Fülbier, Sebastian Gahntz, David Grözinger, Andrea Hartinger, Akiro Hellgardt, Isabel Hochstein, Astrid Hohorst, Indra., Ute Kistler, Marisa Lehrmann, Tim Maertens, Anja Schwörer, Alexander Stalmann, Frank Steier, Tinka Stock, Karoline Walther, Bea Winkler, Elmar Zimmermann


Meisterschüler
Kunstakademien sind unzeitgemäße Institutionen. Hier haben sich Reste von Meister-Schüler-Verhältnissen erhalten, wie es sie sonst nur noch im deutschen Handwerk gibt. Aber um Handwerk, um goldenen Boden, geht es natürlich nicht an der Akademie, jedenfalls nicht allein. Es geht um geistige Arbeit, gute Einfälle, um individuelle Formerfindungen, die dennoch allgemeine Bildgültigkeit beanspruchen sollen – es geht um Inspiration. Inspiration in der Institution? Kann man Inspiration lernen? Immerhin ist eine Kunstakademie eine Lehranstalt, mit Lehrern. Und die Lehrer? Sehen die sich eher als Pädagogen oder als „freie“ Künstler? Professoren innerhalb der Institution Kunstakademie konnten sie nur werden, weil sie sich außerhalb einen künstlerischen Ruf, ein professionelles Renommee in der Kunstöffentlichkeit und auf dem Kunstmarkt, aufgebaut haben. Es gibt künstlerische Lehrer, die dieses Dilemma zwischen innerinstitutioneller Verantwortung und außerinstitutionellem Renommee gut balancieren können. Vielleicht müssen Studierende an einer Kunstakademie, bevor sie etwas (die Kunst?) lernen, zuerst zu unterscheiden lernen, ob und wie gut ein Lehrender diese Balance beherrscht. Dann kann die Kunstakademie, gerade weil sie so unzeitgemäß institutionelle Reste früherer Jahrhunderte beibehält, intensivere Begegnungen und Auseinandersetzungen ermöglichen, als der Betrieb von Universität oder Fachhochschule es vermag. Künstler sein ist ein unzeitgemäßer Beruf. Deshalb ist er so anstrengend – und so wichtig.

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe mit ihrer Zweigstelle Freiburg gehört zu den traditionsreichsten Kunsthochschulen Deutschlands. Sie wurde 1854 gegründet und hat bis heute eine interessante und wechselvolle Geschichte durchlaufen. Immer wieder gelang es, bedeutende LehrerInnen für Karlsruhe zu gewinnen: Angefangen bei Johann Wilhelm Schirmer, Conrad Ferdinand Lessing, Ferdinand Keller über Hans Thoma, Wilhelm Trübner sowie Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger, Erich Heckel, HAP Grieshaber, Georg Meistermann, Emil Schumacher, Horst Antes, Georg Baselitz und Markus Lüpertz bis zu den gegenwärtig an der Akademie lehrenden KünstlerInnen.
Das hohe Renommé, das die Karlsruher Kunstakademie im nationalen und internationalen Wettbewerb genießt, verdankt sie zu einem wesentlichen Teil ihrer bewusst gewählten Konzentration auf die Kernbereiche freie Kunst (Malerei, Bildhauerei, Zeichnung), die sie in permanentem Diskurs mit den im Wandel begriffenen Medien offen als kreativen Prozess vertritt. Diese Ausrichtung auf zentrale Bereiche bildnerischen Gestaltens hat sich nicht nur in der Vergangenheit bewährt und immer wieder zu grenzüberschreitenden Erweiterungen des künstlerischen Spektrums geführt, sondern bestätigt die Akademie heute im Kreis der deutschen Kunsthochschulen in einer führenden Position. Mit rund 300 Studierenden gehört die Akademie zu den kleineren, spezialisierten Kunsthochschulen Deutschlands. Eine Vielzahl großzügiger Ateliers und Werkstätten garantiert ideale Studienbedingungen. Die Räume sind über drei Standorte verteilt - das Hauptgebäude, den Bildhauergarten und Schloss Scheibenhardt. Verwaltung und Bibliothek befinden sich in einer Gründerzeitvilla in der Nähe des Hauptgebäudes. Lehrveranstaltungen der Bereiche Kunstbetrachtung und -geschichte, Ästhetik und Kunstdidaktik sowie Gastvorträge und -seminare ergänzen das praktische Studium. Gegenwärtig wirken in Karlsruhe und Freiburg als künstlerische Lehrerinnen und Lehrer: Franz Ackermann, Silvia Bächli, Stephan Balkenhol, Ernst Caramelle, Helmut Dorner, Gerd van Dülmen, Erwin Gross, Axel Heil, Leni Hoffmann, Max Kaminski, Harald Klingelhöller, Gustav Kluge, David D. Lauer, Meuser, Andreas Slominski sowie Günter Umberg. Kunsttheorie und Kunstgeschichte lehren: Prof. Dr. Klaus Theweleit, Prof. Dr. Andreas Franzke und Prof. Dr. Joachim Heusinger von Waldegg.