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h Kunsthallebuero3 Kunsthalle, Großraumbüro, © Atelier Altenkirch, Karlsruhe

Ausstellungen und Aufgaben der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden


Ursprünglich als Ausstellungshalle für die badische Künstlerschaft initiiert, entwickelt sich die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden seit den späten 1950er Jahren zu einem Institut von internationalem Rang.
Die Geschichte der Ausstellungstätigkeit in der Staatlichen Kunsthalle ist stark durch die Persönlichkeit, fachliche Interessen und entsprechende inhaltliche Akzente ihrer Direktoren geprägt.


Unter der Leitung von Dietrich Mahlow (1957–1967) wird die Staatliche Kunsthalle zu einem Schaufenster der Weltkulturen. Ausstellungen wie „Amerikanische Keramik“(1960), „Das naive Bild der Welt“(1961) „Schrift und Bild“ (1962/63) oder „Primitive Textilwirkereien aus Ägypten“ (1963), neben zahllosen monografischen Werkschauen von Hans Arp bis Jean Tinguely entwerfen eine neue Vision für dieses Haus.


Mit Klaus Gallwitz (1967–1974) halten die ersten Blockbuster-Ausstellungen Einzug in Baden-Baden: „Revolutionsarchitektur“ (1970), „Salvador Dali“(1971), „Hans Makart (1972), „Russische Realisten“(1972/73). In der Reihe „14 x 14“ (1968–1973) wird dem Publikum für die Staatliche Kunsthalle jeweils zwei Wochen als offenes Atelier dargeboten. Damals junge Künstler sind beteiligt, die heute Weltruhm genießen, u. a. Georg Baselitz, Gerhard Richter, Günter Uecker, Markus Lüpertz und Anselm Kiefer hatten hier frühe Einzelpräsentationen.


Hans Albert Peters (1974–1980) sichtet Positionen in der Klassischen Moderne mit „Juan Gris“ (1974), „Aristide Maillol“(1978), „Robert Delaunay“(1976), „Richard Serra“(1979) und „René Magritte“(1976). Zu Gast ist die Mailänder Brera mit exquisiten Werken der oberitalienischen Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts von „Bembo bis Guardi“ (1975).


Unter der Leitung von Katharina Schmidt (1980–1985) werden große Deuter der menschlichen Existenz entdeckt: „Bruce Nauman“ (1981), „Rebecca Horn“ (1981), „Dany Karavan“(1982), „Jannis Kounellis“ (1982), „Karel Appel“ (1982), „Cy Twombly“ (1984). In Erinnerung bleiben auch die Zeichnungen von „Georges Seurat“ (1984) ,japanische Pinselzeichnungen in der Ausstellung „Aus der fließend vergänglichen Welt“ (1984) und Chinesische Malerei der Ming und Quing-Dynastien in „Im Schatten hoher Bäume (1985).


Jochen Poetter (1985–1997) dokumentiert minimalistische Strategien, welche die Architektur zur jeweiligen künstlerischen Inszenierung ins Verhältnis setzen, mit Künstlern wie Gerhard Merz (1987), Donald Judd (1989), Dan Flavin (1989), Reiner Ruthenbeck (1993) und Richard Tuttle (1993). Für Deutschland werden amerikanische Künstler wie Chuck Close (1994) und Alex Katz (1995) oder Cindy Sherman (1997) neu entdeckt.


Margrit F. Brehm (1997–1999) setzt als Kommissarische Leiterin Akzente mit „Impressionismus und Symbolismus – Malerei der Jahrhundertwende aus Polen“ (1997), „ Highlights aus dem Haags Gemeentemuseum“(1998), „Minimal-Maximal“ (1999), mit kosmischen Visionen in „… einerseits der Sterne wegen“ (1999) und Einzelausstellungen wie „Erwin Gross“ (1997), „John Armleder“ (1998/1999) und „Dieter Krieg“ (1999).


Kunst dient Matthias Winzen (1999–2005) als Erkenntnismittel aus eigenem Recht. In Trilogien wie „Du sollst Dir ein Bild machen“ (2001/02) und „Multiple Räume: Seele – Park – Film“(2004/05) gewinnt die Kunsthalle unter seiner Leitung das Profil eines Forschungsinstituts zur Frage des Ortes der Kunst im Leben. Überblicksausstellungen zu „Thomas Ruff“ (2001/02), „Georg Herold“ (2004), „Marlene Dumas“ (2005/06), „Thomas Schütte“ (2006) und „Stephan Balkenhol“ (2006) wechseln mit thematischen Einblicken in Privatsammlungen.


Fritz Emslander (2005–2006) bringt als Kommissarischer Leiter mit „Tiefenschärfe – Bilder vom Menschen“(2006) Schätze der Fotografiegeschichte aus bislang wenig bekannten französischen Sammlungen ans Licht. In „Ballerina in a Whirlpool“(2006) werden anhand von bedeutenden Werken der Installationskunst aus der Sammlung Hauser & Wirth menschliche Wahrnehmungsstrukturen untersucht. „Lost and Found“(2006/07) setzt sich mit der aktuellen ungarischen Kunst auseinander, gefolgt von einer Ausstellung mit Gemälden und Installationen des in New York lebenden Künstlers Dirk Skreber.


Karola Kraus (2006–2010) widmet ihr Ausstellungsprogramm den Klassikern konzeptueller Kunst im Dialog mit künstlerischen Positionen der achtziger und neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung „Who’s Afraid Of Red, Yellow und Blue“  knüpft an die große Tradition des Hauses an und beleuchtet den Beginn minimalistischer Malerei. Dem Werk des frühverstorbenen rumänisch französischen Künstlers André Cadere wurde 2007 eine vielbeachtete Retrospektive gewidmet, die in Baden-Baden, Paris, Maastricht und Bukarest zu sehen war. Mit den Ausstellungen „Nairy Baghramian“ und „Stephen Prina“ (2008)) werden zwei Positionen mit kontextbezogenen Werken gezeigt, die die Aktualität konzeptueller Kunst zur Diskussion stellen. Das Jubiläumsjahr 2008/2009 wird durch eine Ausstellung zur russischen Avantgarde geprägt sein. „Von der Fläche zum Raum. Malewitsch und die frühe Moderne“ umfasst neben Werken aus russischem und europäischem Besitz Rauminstallationen von Rodtschenko, El Lissitzky und Schwitters.

Johan Holten, seit 1. April 2011 Leiter der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, formuliert den neuen Kurs der Kunsthalle und ihre programmatische Ausrichtung für die nahe Zukunft. Im Zentrum des  Programms steht die Frage, wie sich der öffentliche Auftrag einer staatlichen Kunsthalle heute gestalten lässt. Wer wie Johan Holten davon überzeugt ist, dass Kunst nicht nur Genuss bedeutet, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte liefern kann, muss den Versuch wagen, diesen Beitrag am Anfang des 21. Jahrhunderts neu zu definieren. Die Suche hiernach wird getragen von Johan Holtens Überzeugung, „dass Kunst eine entscheidende Rolle in der Herausbildung und Erhaltung einer funktionierenden Zivilgesellschaft eingenommen hat und auch in Zukunft einnehmen wird.“ 

Die Ausstellungen beinhalten in der Regel Kunstwerke, die aus Museen und privaten Sammlungen zusammengetragen werden. Die besondere Struktur der Architektur und die Raumfolgen bieten immer wieder auch Möglichkeiten, in Zusammenarbeit mit dem Team der Kunsthalle vor Ort Installationen und Wandgemälde zu realisieren, die dann zeitlich begrenzt nur für die Dauer der Ausstellung zu sehen sind. Zu den im Wandputz verborgenen Gemälden gehören Werke von Palermo, Helmut Middendorf, Gerhard Merz, K. R. H. Sonderborg, Hamish Fulton, Corinne Wasmuht, Holger Bunk, Nic Hess,  Paul Mac Carthy und Stephen Prina.

Weitere Aufgaben der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden sind die Ausrichtung des Hans Thoma Staatspreis für Bildende Kunst des Landes Baden-Württemberg in Bernau im Schwarzwald, die Beratung der Kunstkommission der Oberfinanzdirektion Karlsruhe / Freiburg im Bereich Kunst am Bau und seit 2004 die Betreuung des Stipendiums Brenner´s Artist in Residence.
Die die Ausstellungen begleitenden Kataloge der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden erweisen sich als aktuelle, für den Kunstdiskurs hoch relevante Publikationen, in denen kunsthistorische Forschung und Dokumentationsmaterialien zu den einzelnen Ausstellungen in ansprechender Weise dargeboten werden.
Seit 1997 erschließt ein interdisziplinäres Begleitprogramm neue Besucherkreise mit natur-, geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Vorträgen und Diskussionsrunden, Lesungen, Künstlergesprächen, Filmabenden und Konzerten. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Baden-Baden, den Kirchlichen Bildungswerken, dem Theater Baden-Baden, dem Südwestrundfunk, der örtlichen Hotellerie und anderen Einrichtungen in Baden-Baden, mit denen die Kunsthalle langjährige Partnerschaften pflegt.
Seit 1999 sorgt der engagierte Förderverein „Freunde der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, e. V.“ für eine weitere Vernetzung der Kunsthalle in die Stadt hinein. Seit 2008 hat die Staatliche Kunsthalle einen „Kinderclub“, der sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst an Kinder und Jugendliche widmet. Für Senioren wird an jedem zweiten Mittwoch im Monat unter dem Motto „Kunst und Kaffee“ eine besondere Führung mit anschließendem Beisammensein im „Café Kunsthalle“ angeboten.
Nachbar der Staatlichen Kunsthalle ist seit 2004 das Museum Frieder Burda des Architekten Richard Meier, mit der sich Herrmann Billings Vision auf eigene Weise im 21. Jahrhundert vollendet. Die gemeinschaftliche Präsenz von öffentlichem und privatem Engagement für die Kunst an der Oos macht Baden-Baden einmal mehr zu einem attraktiven Ort der Kultur der Gegenwart.